
Windenergie
im Wald
Fakten und Mythen aufgeklärt
Der Wald schützt Klima, Boden und Artenvielfalt. Gleichzeitig ist dieser Schutzraum auch ein Teil der Energiewende: Windräder, auch im Wald, leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und helfen damit wiederum dem Wald, der zunehmend unter dem Klimawandel leidet. Deshalb kann es sogar hilfreich für die Zukunft des Waldes sein, Windräder auch in Waldgebieten zu bauen. Wir klären auf, wie das funktioniert, schauen, was hinter gängigen Vorurteilen steckt und bieten Informationen rund um das Thema Windenergie im Wald.
Mehr dazu
Stürme, Hitze, Dürre und Schädlinge setzen dem Wald und den Tieren immer mehr zu. Laut Waldzustandserhebung 2025 ist nur noch jeder fünfte Baum gesund. Bäume vertrocknen, Borkenkäfer zerstören sie von innen. Aber nicht nur der Lebensraum ist gefährdet, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage vieler forstwirtschaftlicher Betriebe. Eine gezielte Umgestaltung von oftmals fichtendominierten Monokulturen hin zu Mischwäldern, die widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen, Trockenheit oder Stürmen sind, ist ein wichtiges Ziel der Forstwirtschaft in Deutschland. Durch die Einnahmen aus Pachten oder Beteiligungen an Windparks können die Waldbesitzer aktiv in den Waldumbau investieren und zum Beispiel klimaresistente Arten pflanzen.
Die Fläche des Waldes, die für Windenergie in Anspruch genommen wird, lag Ende 2024 bei 0,01 % der Gesamtwaldfläche (Quelle: WindRat) in Deutschland – also ein minimaler Teil. Ein einzelnes Windrad braucht weniger Platz als ein Fußballfeld und produziert Strom für rund 3.000 Haushalte. Für eine Windenergieanlage wird durchschnittlich nur rund ein halber Hektar Fläche benötigt. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist 0,7 Hektar groß. Während der Errichtung der Windenergieanlage entsteht ein temporärer Flächenbedarf von ca. 0,8 bis 1 Hektar für u. a. den Baukran und Zufahrtswege. Ein Teil davon wird gleich nach der Fertigstellung wieder bepflanzt bzw. renaturiert. Übrig bleibt eine durchschnittlich benötigte Fläche von weniger als 0,5 Hektar pro Windrad.


In besonders schützenswerten Waldgebieten dürfen keine Windenergieanlagen gebaut werden. Artenreiche Laub- und Mischwälder oder Gebiete mit hoher ökologischer Bedeutung sind ausgeschlossen. Deshalb stehen Windräder fast nur in forstwirtschaftlichen Nutzflächen und in weniger sensiblen Bereichen wie z.B. Fichtenbeständen oder wo Stürme, Trockenheit oder der Borkenkäfer bereits große Schäden angerichtet haben.
Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass für Zuwegung oder Flächenvorbereitung Bäume entnommen werden müssen. Solche Maßnahmen werden immer durch Neuanpflanzungen kompensiert. Dabei setzt man auf widerstandsfähigere Baumarten, die gleichzeitig den Wald verjüngen und als CO2-Speicher dienen.
Gerade auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen, ist eine regelmäßige Entnahme und Wiederaufforstung der Normalfall. Idealerweise lassen sich notwendige Abholzungen für einen Windpark so planen, dass die Gesamtentnahme im Forst möglichst stabil bleibt.
An einer Windenergieanlage wird lediglich die Fläche des Fundaments versiegelt. Die übrigen Bereiche (Kranstellfläche, Zufahrtswege, etc.) werden geschottert. Lagerflächen werden für die Bauphase geschottert und anschließend renaturiert. Deshalb wird die Aufnahmefähigkeit des Bodens nicht beeinträchtigt. Mögliche Auswirkungen auf den Wasserabfluss werden bereits im Genehmigungsverfahren untersucht und durch Entwässerungs- und Erosionsschutzmaßnahmen begrenzt. Entscheidend bei der Auswirkung von Starkregenereignissen sind vor allem Niederschlagsmenge, Geländeform, Boden und die Größe des Einzugsgebiets – einzelne Windenergieanlagen spielen hier keine Rolle.
Nach einer Laufzeit von rund 20 bis 30 Jahren wird die Anlage mit dem versiegelten Fundament vollständig zurückgebaut und die Fläche renaturiert.


Das Ökosystem Wald zu schützen und zu erhalten ist mein Beruf und meine Leidenschaft. Windenergie ist dafür besonders gut geeignet, auch im Wald.
Emily Eiffler, Produktleiterin Windenergie im Wald bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz.
Fragen und Antworten
Viele geeignete Windenergiestandorte liegen auf Höhenzügen, Kuppen oder Bergrücken. Diese Flächen sind in Deutschland häufig bewaldet. Dort wird die Luftströmung durch die Topografie beschleunigt und verläuft oft gleichmäßiger als in tieferen Lagen. Entscheidend sind die örtlichen Windverhältnisse, die vor einer Planung über längere Zeit gemessen oder mit Windmodellen bewertet werden.
Windenergieanlagen werden vorwiegend dort errichtet, wo die Wegeinfrastruktur bereits vorhanden und gut ausgebaut ist und nicht erst Wege angelegt werden müssen. Das ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll. Die notwendigen Stromleitungen liegen am Wegesrand oder in den Wegen.
Rund um die Windenergieanlagen entstehen innerhalb des Waldes artenreiche Waldinnenränder. Zwischen Grasflächen, Wildblumen, Sträuchern und jungen Bäumen können sich neue Lebensräume für Insekten, Reptilien und andere Tiere entwickeln.

Bei der Aufforstung werden standortgerechte und klimaresiliente Laubbäume gepflanzt. nadelbaumdominierte Bereiche werden durch Neupflanzung von Laubbäumen resilienter gegenüber klimatischen Veränderungen. Fichtendominierte Bachläufe werden so umgebaut und aufgewertet, dass mit Waldmischstrukturen wichtige und artenreiche Biotope entstehen. Ausgleich bedeutet jedoch mehr als Aufforstung. Zum Beispiel werden bei der Altholzsicherung ältere Bestände sich selbst überlassen und stellen damit ein attraktives Habitat für viele Tierarten dar. Darüber hinaus gibt es viele Maßnahmen zum Artenschutz.
Windenergie stärkt unsere Region. Kommunen profitieren von Pacht für kommunale Flächen sowie von Gewerbesteuereinnahmen. Diese Einnahmequellen entlasten den Haushalt und eröffnen neue Möglichkeiten, auch für den Umwelt- und Naturschutz. Bürger profitieren durch Beteiligungsmöglichkeiten.
Waldbesitzer, erschließen neue Mittel, die einen Beitrag zur hochwertigen Wiederaufforstung leisten.
Der Klimawandel hat den Wald in vielen Regionen geschädigt – eine große Herausforderung für Waldbesitzende. Einnahmen aus Windenergie können dazu beitragen, den aufwendigen und teuren Umbau zu artenreichen Mischwäldern zu finanzieren. Das umfasst unter anderem standortgerechte Baumarten, den Schutz junger Bäume, die Pflege neuer Mischwälder und langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Waldstruktur. Aus Sicht vieler Forstbetriebe ist Windenergie daher nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle, sondern auch ein Instrument, um den Wald klimaresilient und zukunftsfähig zu gestalten.
Quellen und weitere Informationen:
Allgemeine Informationen zu Windkraft im Wald
- Umweltbundesamt – Potenzial der Windenergie an Land
- Bundesamt für Naturschutz – Windenergie an Land
- Fachagentur Wind & Solar – Windenergie im Wald
- WindRat https://wind-rat.de/wp-content/uploads/WindRat_Broschuere_Deutschland-gewind_2026.pdf
Zum Artenschutz:
- Bundesamt für Naturschutz - Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse
- Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz – Arbeitshilfe Windenergie und Artenschutz
- Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz - Fachbeitrag Artenschutz für die Planung von Windenergiegebieten in Rheinland-Pfalz (2023)
Klimawandel und Wälder:
- Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik – Die Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel