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Die Nähe zählt

Trendforscher Dr. Daniel Dettling über klimafreundliche Quartiere in Dörfern und Kleinstädten und den Ausbau von Windenergieanlagen.

 

 

Herr Dr. Dettling, im Interview in „echt nah“ sagen Sie, in ländlichen Regionen bestehe viel mehr Potenzial für zukunftsfähige und nachhaltige Strukturen als in Großstädten. Wie stellen Sie sich die Kleinstadt oder das Dorf der Zukunft vor?

Menschen wünschen sich heutzutage mehr Freiraum und Natur. Gleichzeitig möchten sie die Möglichkeit haben, mit anderen in Kontakt zu treten. Quartiere mit Begegnungsplätzen, Bürgerläden, Co-Working-Spaces oder einem gemeinsamen, klimaschonenden Fuhrpark für alle Bewohner können das ermöglichen. Solche Angebote werten eine Kleinstadt oder ein Dorf enorm auf und sie erlauben es, individuell, aber dennoch in nachbarschaftlicher Gemeinschaft zu leben. Dieser kooperative Individualismus ist die Lebensform der Zukunft und lässt sich mit einer gezielten Quartiersentwicklung verwirklichen.


Kommt es in Ihrer Zukunftsvision also mehr auf menschliches Miteinander als auf technologischen Fortschritt an?

Natürlich spielen auch technologische Innovationen eine Rolle. Wir müssen Fahrt aufnehmen beim Ausbau der Infrastruktur für E-Autos, mehr Dächer mit Solarpanels ausstatten. Aber es ist eben nicht nur die Technik, auf die es ankommt. In vielen Großstädten würde es schon helfen, wieder mehr Grünflächen zu schaffen, um CO2 zu binden. Es sind auch Werte wie Umweltbewusstsein und menschliche Gemeinschaft, die bedeutender werden – und weniger der sprechende Kühlschrank. Ich bin optimistisch, dass sowohl technische Innovationen als auch soziale Bedürfnisse unsere Zukunft prägen werden.


Über manche Technologien gibt es auch Streit. Was entgegnen Sie Menschen, die sagen: „Windkraft ja, aber nicht in unserer Gemeinde“?

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien gefällt nicht immer allen. Es ist wichtig, die Menschen in der Region frühzeitig mitzunehmen und die positiven Effekte zu verdeutlichen. Die Anwohner dürfen nicht das Gefühl haben, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Stattdessen braucht es einen Dialog auf Augenhöhe. Mit dem Konzept der Bürgerwindparks funktioniert das bereits vielerorts gut. Die Windparks mögen vielleicht nicht jedem gefallen, doch am Ende profitieren wir alle und die nachfolgenden Generationen davon.


Der Trend- und Zukunftsforscher Dr. Daniel Dettling (49) kommt aus Rheinbach, lebt und arbeitet in Berlin. Er berät Parteien, Ministerien und Unternehmen. Zuletzt erschien sein Buch „Zukunftsintelligenz. Der Corona-Effekt auf unser Leben“.

 

Foto: Edgar Rodtmann