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Herbst und Winter im Nationalpark Eifel

Liebe auf den zweiten Blick

In der Corona-Pandemie zieht es viele Menschen in die Natur. Das ist schön, führt aber auf beliebten Routen zu unerwünschten Besucherstaus. Die Nationalparkverwaltung empfiehlt, den Wilden Kermeter, Wollseifen/Walberhof und die Stauseen zu meiden und auf abgelegenere Wege auszuweichen oder eine der 41 Outdooractive-Touren zu laufen – hier ist das Naturerlebnis umso größer und es gibt viel Spannendes zu entdecken.

 

Was hat Ötzi mit dem Nationalpark Eifel zu tun? Nein, die mehr als 5.000 Jahre alte Gletschermumie ist ziemlich sicher nie durch die die Eifel gewandert. Aber als Ötzi in den Südtiroler Alpen gefunden wurde, fand man in seinem Gepäck etwas, das im Nationalpark noch heute zu entdecken ist: Zunderschwamm – eine Pflanze mit einer langen Kulturgeschichte. „Mit diesem Pilz haben die Menschen früher Feuer entfacht“, erklärt Ranger Sascha Wilden. „Sie haben dazu den Fruchtkörper getrocknet und gemahlen. So entstand leicht entflammbarer Zunder – daher der Name.“

Dass auch Ötzi Zunderschwamm bei sich trug, zeigt wie lange die Menschen den Pilz benutzt haben. Erst mit der Erfindung der Zündhölzer 1848 geriet der Zunderschwamm mehr und mehr in Vergessenheit und das Gewerbe des Schwammschnitts und der Beruf des Zundermachers starben aus. Die auffälligen Großpilze sind vielerorts im Nationalpark an abgestorbenen Buchenstämmen zu finden: Am toten Holz wachsen die bis zu 30 Zentimeter breiten, konsolenförmigen Fruchtkörper besonders gut.

Arbeitsplatz der alten Köhler

Aufmerksame Wanderer können im Wald eine weitere kulturgeschichtliche Entdeckung machen, die ebenfalls mit Feuer in Verbindung steht. Erscheint der Waldboden auffällig dunkel gefärbt, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Oft entdeckt man dann zwischen Laub und Ästen kleine Kohlestücken oder verrußtes, schwarzes Sediment und kann sicher sein, einen alten Meilerplatz gefunden zu haben. „In den Wäldern der Region stellten die Menschen früher in großem Stil Holzkohle her“, erzählt der Ranger und schaut auf die kleinen, mit Blättern vermischten Kohlestückchen in seiner Hand. „Man schichtete dazu Buchenholz in einem runden Meiler auf, verschloss diesen mit Lehm und Grasboden luftdicht und zündete ihn anschließend an, um das Holz langsam zu verkohlen“, so Wilden.

Bei diesem Verkohlungsprozess musste der Meiler rund um die Uhr bewacht werden, damit das Feuer nicht das Holz einfach verbrannte. Der Köhler, der die Verkohlung überwachte, war entsprechend von Kopf bis Fuß rußgeschwärzt und gingen als „Schwarzer Mann“ in viele Mythen und Geschichten der Region ein. Die Kohle wurde unter anderem in der Eisenindustrie im Schleidener Tal genutzt. „Kohle hat einen größeren Heizwert als Holz und brennt gleichmäßiger ab. Denn Wasser, Gase, Teere und andere Stoffe werden beim Verkohlen herausgetrieben“, erklärt Sascha Wilden.

Mehr als 1.400 solcher ehemaliger Meilerplatten sind im Nationalpark Eifel mittlerweile kartiert. Nach und nach verdrängte jedoch vor allem die Steinkohle die aufwendig von Hand hergestellte Holzkohle. Der Beruf des Köhlers ist so gut wie ausgestorben. Holzkohle wird heute industriell gefertigt. Immer wieder gibt es in der Region jedoch die Möglichkeit, das Abbrennen von Kohlemeilern mitzuerleben, zum Beispiel im Freilichtmuseum Kommern oder der historische Kohlemeiler in Heimbach-Düttling.

Unterwegs im Nationalpark Eifel

  • Bitte halten Sie sich an die Regeln im Nationalpark und bleiben sie auf den markierten Wegen und leinen Sie Ihre Hunde jederzeit an. Das Sammeln von Pilzen, Blättern, Ästen oder ähnlichem ist streng verboten.
  • Aufgrund der Corona-Lage sind die Besucherzentren im Nationalpark Eifel aktuell geschlossen. Ranger-Touren und Führungen finden bis auf weiteres nicht statt.
  • Viele Informationen zum Nationalpark und zur aktuellen Situation gibt es hier: www.nationalpark-eifel.de
  • Informationen über die Kohlegewinnung und den historischen Kohlemeiler in Heimbach Düttling: www.kohlemeiler.de